Eurosport - Mi 03.Dez. 02:53:00 2008
Vor dem Saisonstart stellt sich Biathlon-Ass Michael Greis im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de und spricht über seine Ziele für den WM-Winter, den Zwist mit Cheftrainer Frank Ullrich und Doping.
Welche Ziele haben Sie für die neue Saison?
Michael Greis: Ich möchte einen guten Auftakt hinlegen, mit einem Podiumsplatz wäre ich sehr zufrieden. Im Gesamtweltcup will ich mit den Besten auf Augenhöhe sein, bei der WM ist eine Staffel- und eine Einzelmedaille das ersehnte Ziel.
Wie entscheidend ist ein guter Auftakt, auch in Hinblick auf den Gesamtweltcup?
Greis: Kurzfristig gesehen ist es natürlich das Beste, wenn man einen optimalen Auftakt hat. Man muss aber langfristig denken, sich auf die gesamte Saison konzentrieren. Ich muss daran arbeiten, dass ich den Saisonstart nicht verpatze, in der Vergangenheit hatte ich in den ersten Rennen meine Schwierigkeiten. Will man an der Spitze mitmischen, muss man sowohl in der Loipe als auch am Schießstand eine Leistung auf hohem Niveau bringen, ansonsten hat man keine Chance.
Warum sind Sie so ein "Spätstarter"?
Greis: Ich weiß es nicht genau. Der Saison-Höhepunkt liegt meistens im Februar und März, da ist es schwierig, bereits im Dezember seine Topform zu finden und diese über den langen Winter zu halten. Ich hole mir die Form meistens in den Wettkämpfen, deshalb komme ich zu Saisonanfang eher schwer in Gang.
Sie haben eine neue Freundin und sind im Training neue Wege gegangen. Was macht den neuen Michael Greis aus?
Greis: Im Grunde bin ich immer noch der Alte, außer dass ich eine neue Freundin habe. Hinsichtlich der Vorbereitung habe ich mich für einen neuen Weg entschieden, das darf man aber nicht überbewerten oder falsch interpretieren. Die Medien haben da viel Zündstoff hineingebracht. Unser Bundestrainer Frank Ullrich ist ein professioneller Arbeiter - wir hatten zwar unterschiedliche Meinungen, aber in einer Familie gehört das dazu. Es führen viele Wege nach Rom.
Die Meinungsverschiedenheiten haben Wellen geschlagen. Fürchten Sie, dass es bei Erfolglosigkeit harte Kritik geben wird?
Greis: Kritik wird es im Spitzensport immer geben, die Leistung im Biathlon wird nicht an Worten, sondern an der Zeit gemessen, und in unserer Sportart geht es an der Spitze sehr eng zu. Das Wichtigste ist für mich, dass ich mit Spaß und Freude an der Sache dabei bin. Ich will noch einige Jahre Biathlon betreiben.
Wie wichtig war dieser neue Weg für Sie?
Greis: Für mich ist es wichtig, dass ich weiter an mir arbeite, den Trainingsumfang steigere und mir selbst alles abverlange. Diese Erfahrungen machen dich als Menschen härter. Es ist dann der Idealzustand, wenn man diese Routine im Wettkampf in absolute Leistung ummünzen kann.
Ihre drei Olympiasiege liegen nun über zwei Jahre zurück. Was hat sich seit dieser Zeit am meisten geändert?
Greis: Die mediale Aufmerksamkeit ist seitdem viel größer geworden. Das Umfeld hat sich drastisch geändert, ich bin erwachsener geworden - obwohl in gewissen Momenten noch ein kleiner Junge in mir steckt. Ich bin an der Situation gereift, für mich als Sportler waren die Olympiasiege ein unvergessliches Erlebnis.
Haben Sie Angst, dass Doping auch im Biathlon in den nächsten Jahren ein Thema wird?
Greis: Da wäre ich schwer enttäuscht, das kann ich mir momentan überhaupt nicht vorstellen, dazu habe ich zu viel Vertrauen in meine Kollegen. Andererseits hätte auch im Radsport niemand gedacht, dass unerlaubte Substanzen in dieser Häufigkeit vorkommen. Ich finde es vor allem tragisch für die Nachwuchssportler, die ihren Idolen nachgeeifert haben und auf diese Weise enttäuscht worden sind. Ich stelle mich den Kontrollen und ich finde es wichtig, dass man auch im Nachhinein "unsaubere" Sportler überführen kann. Durch die Dopingvergehen im Radsport hat die Glaubwürdigkeit auch in anderen Sportarten Schaden erlitten.
Wie kann man die Glaubwürdigkeit wieder herstellen?
Greis: Man muss sich auf die Tugenden des Sports zurück besinnen, im Endeffekt ist der Sport auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft, die immer individualistischer wird.
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Auf geht's, Michl - Du packst des scho; so wie immer halt.
Viel Erfolg in der neuen Saison, speziell bei der WM - und viel Glück mit Deiner Katrin.
Gruß aus dem Allgäu - an einen von uns.
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